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Auf neue Art Kirche sein
Auf neue Art Kirche sein

Eigentlich komisch: Menschen, die in einer kleinen Gruppe gemeinsam in der Heiligen Schrift lesen, über die Verse und ihren persönlichen Glauben ins Gespräch kommen und ausgehend von diesen Erfahrungen sich in Kirche und Gesellschaft engagieren, werden zuweilen in Gemeinden etwas schief angeguckt.

Diese Form von Frömmigkeit, die sogenannten kleinen christlichen Gemeinschaften, ist in der von Gottesdienst- und Verbandsgemeinschaft geprägten deutschen Volkskirche noch unüblich.

Anders im südlichen Afrika: Dort bilden die kleinen christlichen Gemeinschaften die „Kirche vor Ort“, wie es Oswald Hirmer, Bischof der Diözese Mthatha beschreibt. Hirmer stammt aus dem Bistum Regensburg, wurde 1955 zum Priester geweiht und ging – zusammen mit seinem Mitbruder und Weihekollegen Fritz Lobinger –„in die Mission, wie wir damals gesagt haben.“ Hirmer fühlte sich im, wie er sagt , „bayerisch-barocken Volkskatholizismus“ zu Hause und wollte dieses Modell ins südliche Afrika exportieren. Nur: Gelingen wollte das nicht.

„Wir haben uns dann des Heilands erinnert: Jesus predigte auch allen Menschen, von frommen Pharisäern bis zu einfachen Fischern, er wusste, wie die Worte zu wählen sind, wir mussten sie finden.“ Gemeinsam mit Lobinger gründet er das Lumko Missiological Institute, das Pastoralinstitut der Bischofskonferenzen für das südliche Afrika. Beide entwickeln ein Modell, das das Lesen in der Bibel, das Austauschen der Gedanken über die Schriftworte, das gemeinsame Singen und Beten in den Mittelpunkt stellt. „Das Wort Gottes sollte so erfahren werden wie damals in Galiläa“, beschreibt es Hirmer.

In kleinen Schritten „auf neue Art Kirche sein“

Von da an war es für die sich findenden kleinen geistlichen Gemeinschaften nur noch ein kleiner Schritt zu einer „neuen, einer anderen Art, Kirche zu sein“: Krankenkommunion und Beerdigungen werden von den Männern und Frauen ebenso übernommen wie Kinderkatechese, Nachbarschaftshilfe oder Aktionen für mehr Gerechtigkeit. Auch der Sonntagsgottesdienst wird vorbereitet, zu dem mehrere Gemeinschaften zusammenkommen – meist ohne, etwa einmal im Monat mit Priester.

Für Hirmer hat diese Art von Kirche etwas von Urkirche – und es befreit die Priester von einem 1500-jährigen Ballast für alles Verantwortung tragen zu müssen. Priester und hauptberufliche Kirchenmitarbeiter werden eher Inspiratoren: „Wir tragen die Verantwortung für Bewusstwerdung, Wissen, theologische Bildung und das Training von Fertigkeiten – alles andere übernehmen die Gemeinden selbst.“

Allerdings warnt Hirmer davor, das afrikanische Modell einfach auf Deutschland zu übertragen. Es brauche Bewusstwerdung, es brauche die grundlegende Bereitschaft über den eigenen Glauben reden zu wollen: „In deutschen Gemeinden ist häufig noch die Meinung verbreitet, dass man genau das nicht tut, weil Glauben etwas Privates sei.“ Doch spüre er, dass auch hier die Lust auf eine andere Kirche wachse.

 

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Fachbereich Missionarische Seelsorge
in der Hauptabteilung Pastoral des Bischöflichen Generalvikariates
Regens Dr. Christian Hennecke / Matthias Kaune
Domhof 18 – 21, 31134 Hildesheim
E-Mail: verkuendigung@bistum-hildesheim.de

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