Topp-Thema » Übersicht Topp-Thema
 
Mehr Eigenständigkeit für die Laien
Mehr Eigenständigkeit für die Laien

Das gibt es in keinem anderen deutschen Bistum: In Buxtehude hat die Diözese 21 Männer und Frauen ohne geistliche Ordination ausgesandt, um das Leben in ihren Kirchorten zu organisieren und verantworten. In insgesamt sechs Pfarrgemeinden soll beim Projekt „Delegierte Verantwortung in größeren Räumen“ mehr Eigenständigkeit für Laien erprobt werden.

Generalvikar Dr. Werner Schreer hebt im Gottesdienst die Arme und erteilt den Segen. Als er die Arme wieder senkt, sind sie ausgesandt: 21 Frauen und Männer der neuen Großgemeinde St. Maria in Buxtehude tragen als Ortskirchräte dafür Sorge, dass das Leben in ehemals drei eigenständigen Gemeinden – neben Buxtehude noch Harsefeld und Neu Wulmstorf – nicht erlahmt: „Es ist eine wichtige Aufgabe, die Sie nun in eigener Verantwortung – begleitet vom Pfarrer und der Gemeindereferentin – wahrnehmen können“, betont der Generalvikar.

Das Ziel des Projektes „delegierte Verantwortung in größeren Räumen“ ist klar: „Wir möchten das Profil der Gemeinde stärken – und das geht nur, wenn Laien mehr Eigenständigkeit in der Verantwortung für einen Gemeindeteil bekommen“, sagt Martin Wrasmann, stellvertretender Leiter der Hauptabteilung Pastoral im Bischöflichen Generalvikariat in Hildesheim.

Die Katholiken der drei ehemals selbstständigen Kirchorte haben bei den Gremienwahlen im November 2010 darum zum einen sieben Mitglieder in den Pastoralrat der Gesamtpfarrei gewählt, der die Aufgaben der ehemals getrennten Gremien Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand vereint. Außerdem wurden die Mitglieder jeweils eines „Ortskirchrates“ gewählt: Jeweils sechs Männer und Frauen in Harsefeld und Neu Wulmstorf, neun in Buxtehude. Diese Ortskirchräte wiederum delegieren jeweils zwei beziehungsweise drei Mitglieder in den Pastoralrat. Geleitet wird die Gesamt-Pfarrgemeinde künftig vom Pfarrer mit dem Pastoralrat aus sieben gewählten und sieben delegierten Mitgliedern sowie der Gemeindereferentin. Das Gemeindeleben In den einzelnen Orten leiten jedoch die Ortskirchräte, die auch die finanzielle Verantwortung für ihren Kirchort tragen, aber mit dem Pastoralrat der Pfarrgemeinde eng zusammen arbeiten.

Wie kann das Profil der Gemeinde dadurch gestärkt werden? Wrasmann erläutert das System an einem konkreten Beispiel: Während der Ortskirchrat in Neu Wulmstorf zum Beispiel eine stark familienbezogene Seelsorge in den Blick nimmt, weil dort ein entsprechender Bedarf besteht, könnte sich der Ortskirchrat in Buxtehude eher auf städtische Aufgaben konzentrieren und darauf achten, dass die katholische Kirche bei der Stadtentwicklung entsprechend präsent ist. Dies, so die Überzeugung des Bistums, können kleine Teams vor Ort besser organisieren als der Pastoralrat, der für die Gesamtgemeinde zuständig ist. Dabei will das Bistum die Mitglieder der Ortskirchräte engmaschig begleiten, unterstützen und auch fortbilden.

Seelsorge ist gemeinsame Aufgabe aller Christen

Wie sieht die Umsetzung in St. Maria aus? Es gelte, vor Ort die Belange und Wünsche zu erfragen: „Da braucht es nicht nur Ansprechpartner in den Kirchorten, sondern Menschen, die die Sache in die Hand nehmen.“ Und natürlich den Freiraum, das auch tun zu können. „Daher ist dieser Prozess für uns so spannend, auch wenn es bedeutet, Vertrautes loszulassen“, betont Stefan Schleper, stellvertretender Vorsitzender des neu gegründeten Pastoralrates. Die künftige Erstkommunion, Firmvorbereitung oder Glaubensgespräche für Erwachsene könne künftig an allen Kirchorten unterschiedlich aussehen, "je nach Notwendigkeit“, meint Schleper. 

Einzelne Aufgaben können nur in den Kirchorten selbst beantwortet werden – wie das Beispiel Ökumene zeigt. „Unsere Gesamtpfarrei überschreitet evangelische Kirchenkreisgrenzen: Es geht gar nicht anders, als vor Ort die Zusammenarbeit mit unseren evangelischen Geschwistern zu gestalten.“ Bis hin zur Übernahme von liturgischen Diensten bei ökumenischen Gottesdiensten: „Unser Pfarrer kann schließlich nicht überall sein", sagt Schleper

Genau das eher traditionelle Denken, das den Pfarrer in den Mittelpunkt einer Gemeinde stellt, soll mit dem Pilotprojekt überwunden werden, meint Elisabeth Eicke, die Vorsitzende des Diözesanrates der Katholiken: „Wir sollten neu hingucken: Was sind unsere Aufgaben, was sind unsere Möglichkeiten, was können wir leisten als getaufte und gefirmte Christen.“

Für den Pfarrer der Gemeinde bedeutet das Projekt, auch Verantwortung abzugeben. „Aber das ist richtig, das Projekt ist zukunftsweisend. Seelsorge ist eine gemeinsame Aufgabe aller Christen, die zu einer Gemeinde zählen“, sagt Pfarrer Johannes Pawellek. Überflüssig werde er dadurch sicher nicht. 

 

Das Bistum wird das Projekt „delegierte Verantwortung“ in der Amtszeit der Laienräte, die bis 2014 dauert, noch in fünf weiteren Pfarrgemeinden erproben. Dort werden die Vor-Ort-Teams in den kommenden Monaten beauftragt:

  • Wolfenbüttel (St. Petrus),
  • Alfeld (St. Marien),
  • Sarstedt (Heilig Geist),
  • Garbsen (St. Raphael)
  • Hildesheim (Liebfrauen).

 

Kontakt:

Bischöfliches Generalvikariat Hildesheim
Hauptabteilung Pastoral
Domhof 18-21, 31134 Hildesheim
Telefon: 0 51 21 / 307 301
E-Mail: pastoral@bistum-hildesheim.de 


Zur Information:

 

 

 

SCHNELLSUCHE
Zielgruppe
Themen
Rubriken
Stichwort
 
» Zur Detailsuche

Lied des Monats


Informationen zu Liedern aus dem neuen Gesangbuch » weiter

Material-Börse

Was gibt es Neues?
Aktuelle Broschüren und Publikationen aus dem Bistum können Sie hier online bestellen.

» Material-Börse